JU-Ortsverband schaut hinter die Kulissen des Zwieseler Filmtheaters

Zwiesel. Wie rasant sich im Zwieseler Kino in der Dr.-Schott-Straße der technische Fortschritt in den letzten 70 Jahren entwickelt hat, davon konnten sich die Mitglieder der Jungen Union Zwiesel (JU) im Rahmen einer sehr interessanten Betriebsführung mit Inhaberin Gabriele Probst überzeugen.
Schon von außen erkennbar waren die Maßnahmen zur Modernisierung und zur Verbesserung des Brandschutzes, die in den letzten Monaten in einer Höhe von rund 100.000 Euro im Zwieseler Filmtheater investiert wurden. Markant verändert hat sich beispielsweise der Eingangsbereich, der zudem barrierefrei gestaltet wurde. Im Frühjahr wird das Zwieseler Kino in neuen Farben erstrahlen.
Frau Probst informierte die Jungpolitiker sowie die Netzwerkmanagerin der Europaregion Donau Moldau, Jaroslava Pongratz, mit einem geschichtlichen Abriss über das erste von ihrem Opa Valentin Probst in der Hafnerstadt erbaute Kino bis hin zum heutigen Gebäude. 1949 erfolgte der Antrag zum Bau des Zwieseler Kinos am heutigen Standort, Ende 1950 dann die Eröffnung. Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums hat Valentin Probsts Enkelin, die heutige Besitzerin, eine kleine Ausstellung mit historischen Aufnahmen und einer detaillierten Entwicklungsgeschichte im Foyer aufgebaut. „Diese werde ich nächstes Jahr noch umfangreicher gestalten und lade dazu gerne alle Zwieselerinnen und Zwieseler ein, mehr über die Geschichte des Filmtheaters zu erfahren“, freut sich Gabriele Probst, die mit vollem Herzblut über das Kino schwärmt.

Das markante Gebäude des Zwieseler Kinos hat sich im Laufe der Zeit vor allem durch die Modernisierungsmaßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzes leicht verändert. Das Bild zeigt eine Aufnahme aus den Anfängen des Kinos am heutigen Standort, 1986 wurde dann der Standort in der Hafnerstadt aufgegeben.

Eindrucksvoll bekam der CSU-Nachwuchs einen Einblick in die technischen Abläufe, die nötig sind, um den Kinobesuchern ein unterhaltsames Filmerlebnis bereiten zu können. Wurden bis Februar 2013 noch 35mm-Filmrollen im Zwieseler Kino verwendet, haben heute moderne Digital Projektoren Einzug in die technischen Räume gehalten. Nicht schlecht staunten die JUler, als Frau Probst sie mit beeindruckenden Zahlen zu den alten 35mm-Filmen verblüffte: Bei einem zweistündigen Film, so habe Probst ausgerechnet, käme man auf rund 172.800 Bilder, was einer Filmrollenlänge von rund 3,28 Kilometern entspricht. Der Film „Herr der Ringe“, hatte bei seiner Aufführung im Zwieseler Kino eine Filmrolle mit knapp 5 Kilometern Länge und rund 260.000 Bilder huschten über die Leinwand.
Seit dem Jahr 2013 sorgen drei Digital-Projektoren für das besondere Kinoerlebnis, wobei eine Investitionssumme von rund 150.000 Euro allein für die Projektoren, incl. Server, in das Zwieseler Kino gesteckt wurde, wie sich der Ideengeber der Betriebsbesichtigung, der stellv. JU- und CSU-Ortsvorsitzende Daniel Weber erkundigte. „Es besteht auch die Möglichkeit, die Projektoren auf 3D umzurüsten, jedoch hat sich nach anfänglichem 3D-Trend, dieser nun auf ein normales Maß eingespielt. Da die 3D-Vorführungen nicht für alle verträglich sind, profitiert derzeit diese Besuchergruppe von den 2D-Vorführungen.“, erläuterte Frau Probst. Einen praktischen Einblick erhielten die Jungpolitiker auch in Sachen Speichermedien und digitale Filme, als ihnen die Inhaberin mit viel Liebe zum Detail aufzeigte, wie die Bestell-, Ausleih- und Abspielprozesse ablaufen.
Der JU-Ortsvorsitzende Alexander Hannes wollte wissen, inwiefern moderne Streamingdienste wie Netflix den Kinobetreibern Sorgen bereiten. Frau Probst erläuterte, dass Onlinedienste natürlich dafür sorgen, dass exklusive Auswertungsfenster für die Kinos geschmälert werden und dies zu Lasten der Kinos geht. Was jedoch viel bedrohlicher sei und wogegen auch die Verbände der Filmwirtschaft entschieden eintreten, seien illegale Downloadportale, die über die Produzenten, bis hin zu den Verleihern und den Kinos vor Ort allen schaden. Eine konkrete Existenzgefährdung des Zwieseler Kinos oder gar das Aus der Kinos im Allgemeinen sehe Frau Probst nicht, jedoch müsse besonders bei Jugendlichen, einem fehlenden Unrechtsbewusstsein beim illegalen Download von Filmen und dergleichen, entgegengewirkt werden.
Nach wie vor erfreut sich das Zwieseler Kino vor allem bei vielen Stammgästen großer Beliebtheit und Frau Probst freut sich besonders über ihre „eingefleischten Kinogänger“ und betont, dass auch die Zwieseler Urlaubsgäste ein wichtiges Standbein in Sachen Besucherzahlen darstellen. Einen herausstechenden Besuchertag gebe es laut der Inhaberin des Zwieseler Filmtheaters nicht, jedoch sei an den Wochenenden mehr Betrieb als unter der Woche. Am Wochenende seien es vor allem die Nachmittage, an denen die Kinder das Zwieseler Kino als Erlebnis besuchen, die Erwachsenen ziehe es vor allem am Freitag- und Samstagabend in die bequemen Kinosessel.
„Einen Tag in der Woche gönne ich mir einen Ruhetag“, lacht Frau Probst und macht keinen Hehl daraus, dass das Kino ein Job ist, der einen rundum fordert. „Am Montag steht wöchentlich die Film-Dispo an, womit ich flexibel entscheiden kann, welche Filme ich noch länger zeigen möchte.“ Wichtig sei Frau Probst, den Gästen immer ein abwechslungsreiches und ansprechendes Repertoire an filmischer Unterhaltung bieten zu können. „Hierbei arbeite ich auch eng mit meiner Kollegin aus Viechtach zusammen, indem wir in gegenseitigem Austausch ein breiteres Spektrum an Filmen (im besonderen Arthouse-u. Kinder-Filme) zeigen zu können“, berichtet die Inhaberin des Zwieseler Filmtheaters.
Ein für Zwiesel äußerst interessantes Projekt, das Gabriele Probst aus dem Nachlass ihres Vaters auf die Beine stellen möchte, ist die Digitalisierung einer sehr umfangreichen Dia-Sammlung über Zwiesel und seine Umgebung. „Der Papa hat in seinem Leben einen schier unendlichen Schatz an Dias über Alt-Zwiesel, dessen Bürger und Geschichte, angelegt, die ich gerne digitalisieren, aufbereiten und der Öffentlichkeit zugängig machen möchte.“, richtet Frau Probst einen Appell an alle technisch Versierten, die Zeit und Lust haben, sie bei diesem geschichtsträchtigen Projekt für Zwiesel zu unterstützen.
Mit einem kleinen Präsent bedankte sich JU-Ortsvorsitzender Alexander Hannes sehr für den spannenden Blick hinter die Kulissen des Filmtheaters: „Man merkt, mit wie viel Leidenschaft Sie für das Zwieseler Kino brennen und deshalb wünschen wir Ihnen weiterhin viele Kinobesucher. Wir sind froh diesen Familienbetrieb in Zwiesel für Bürger und Urlauber zu haben!“
Das aktuelle Kino-Programm findet sich in der örtlichen Presse, als auch durch Aushänge in verschiedenen Schaukästen der Stadt und online auf der Homepage des Zwieseler Kinos unter der Adresse www.filmtheater-zwiesel.de. Die nächste Veranstaltung der JU ist die Jahreshauptversammlung zum Thema
Europaregion Donau Moldau am 22. März um 19 Uhr in der Tennishalle. -dw

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